DSGVO und Facebook, was mich als Blogger nervt

Facebook und Datenschutz

Nicht noch eine weitere DSGVO Info. Doch eine News raubt mir meinen Nerv. Wer auf Facebook eine Seite hat, macht sich für Datenverstöße mitverantwortlich. Höre ich da richtig? Warum soll ich als Nutzer der Plattform mit in die Verantwortung für Datenverstöße genommen werden? Ich kann die Datenverarbeitung weder mitbestimmen noch ändern? Ich bin immer noch wütend.

DSGVO – Was habe ich schon alles gemacht:

  • Ich habe nach bestem Gewissen, meine Datenschutzbestimmung angepasst.
  • Der notwendige Cookie-Hinweis auf der Startseite wurde implementiert.
  • Und ich habe Google Analytics geändert. Jetzt werden weder demografische Daten noch IPs gespeichert.
  • Auch beinhaltet jedes Kommentar bzw. Kontaktformular eine Verlinkung zur Datenschutzbestimmung.
  • Ferner nutze ich ein Plugin, welche gespeicherte IP-Adressen nach 6 Wochen löscht.
  • Der Facebook Retargeting Pixel wurde entfernt.
  • Ich habe ein Verarbeitungsverzeichnis erstellt.
  • Und ich habe mehrere AV-Verträge mit Dienstleistern abgeschlossen.

Gern könnt Ihr bei mir nachfragen und hierzu meine drei Artikel nachlesen:
DSGVO Check für Blogger 
Teil 1, Teil 2, Teil 3

Und das, obwohl ich mit meinem Blog rein gar nichts verdiene. Ja, eine Absicht Gewinne zu erzielen ist durchaus möglich. Auch setze ich Amazon Affiliate Verlinkung ein, allerdings sehr spartanisch. Deshalb falle ich unter die sogenannten „Pseudo-Unternehmer“. 
Fehlt jetzt nur noch, dass mir das Finanzamt mitteilt, ich müsste ein Gewerbe anmelden. Nein, das mache ich nicht. In meinen Augen verdiene ich kein regelmäßiges Einkommen mit meinem Blog. Ehrlicherweise verdiene ich gar nichts bis jetzt. 

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Der Kampf „Europa gegen Online Konzerne“ geht zu unseren Lasten

Nerven hat mich die DSGVO die letzten Wochen allemal gekostet. Zeit, die ich lieber in anderen Content gesteckt hätte. Und ehrlich gesagt, macht mir mein Hobby aufgrund der behördlichen Gängelei aktuell keinen Spaß. Denn nun folgt die nächste Hiobs Botschaft. Plötzlich soll ich für die Datenverarbeitung auf Facebook mithaften. Vorsichtshalber habe ich meine Facebook Seite auf privat gestellt. Ich hoffe, dass der Online Konzern gemäß der EU Gerichtsentscheidung nachbessert. Oder kann sich Facebook erlauben, dass etliche Fan Seiten und Gruppen auf Dauer wegfallen werden? Ich bin auf die Antwort der Gegenseite gespannt.

Doch wie ist es eigentlich zu dieser Gerichtsentscheidung gekommen? Denn diese verunsichert auch mich. Ferner stehen weitere soziale Netzwerke auf dem Spiel.

Im Jahr 2011 fordert der Datenschutz in Schleswig Holstein alle Website-Betreiber aus Schleswig Holstein auf, Ihre Facebook Fanpages sowie Social Plugins auf den Websites zu entfernen. Der Datenschutz veröffentlichte ferner eine technische Analyse der Tracking-Möglichkeiten, die der Konzern ohne ausdrückliche Genehmigung vornimmt.

Und jetzt hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Betreiber von Facebook-Seiten mitverantwortlich sind. Somit darf die Datenschutzbehörde den Betrieb einer Facebook-Seite untersagen. Ob sie es in dem konkreten Fall auch tatsächlich durchsetzt, wird das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Tja, und da man Facebook nicht direkt angreifen kann, werden mit dem Gerichtsurteil die kleinen Leute herangezogen. Seiten und Gruppen auf Facebook könnten geschlossen werden. Man entzieht dem Facebook-Konzern die Grundlage der zur Verfügung gestellten Daten.

Doch ich als Facebook Fanseiten Admin verfüge ja nicht einmal über Mittel und Wege bei der Datenverarbeitung mit entscheiden zu können. Und ich empfinde es rein gar nicht als rechtlich angemessen als Mitverantwortlicher für Facebooks Geschäftsgebaren zur Rechenschaft mit herangezogen zu werden.

Nachdenken

Haben wir wirklich nicht gewusst, wie Facebook funktioniert?

Ja, haben denn die Nutzer in Schleswig Holstein und auch wir in Europa wirklich nicht gewusst, dass Facebook unsere Daten verarbeitet und diese auch zu Werbe und Marktfoschungszwecke frei gibt? 

Ich glaub wir sind mündig genug, um zu wissen, dass wir mit unserer Anmeldung die kostenlose Nutzung von Facebook gegen unsere Daten eintauschen und auch mit personenbezogener Werbung zahlen werden. Und ehrlich gesagt ist mir diese Werbung tausendmal lieber. Sie basiert auf meine Interessen, Vorlieben und Recherchen. Doch ich befürchte mit der DSGVO und der noch kommenden ePrivacy Verordnung, werden wir in die Steinzeit des Internets zurück katapultiert und für unmündig erklärt. Gesetze, die kleine Unternehmen, Freiberufler und den Mittelstand wirtschaftlich jetzt bereits zermürben.

Lieber Herr Weichert vom Landeszentrum für Datenschutz aus Schleswig Holstein, gemäß Ihrer Aussage aus dem Jahr 2011, soll es vergleichbare europäische Dienste geben, die den Schutz des Internet-Nutzers ernster nehmen als Facebook. Ich kann nur zurück fragen, welche Dienste meinen Sie eigentlich???

Das Facebook nachbessern muss, stimme ich zu. Uns Nutzern sollte mehr Transparenz in der Verarbeitung und Speicherung von Daten ermöglicht werden. Und ich befürworte eine Änderung in der Administration für Facebook Fanseiten und auch bei Gruppen. Ich befürchte ferner eine zukünftige Bezahloption auf der Facebook Plattform. Entweder der Nutzer nimmt Tracking in Kauf oder kann die Werbetracking-Nutzung gegen Bezahlung deaktivieren. Facebook zu verteufeln und den Streit auf den Rücken der kleinen Leute auszutragen, halte ich jedoch für komplett falsch. Doch das heißt nicht, dass wir mit unserer Anmeldung bei Facebook nichts davon gewusst haben sollten. Facebook ist ein Unternehmen. Womit soll das Unternehmen sonst Geld verdienen?

Was passiert mit Daten

Um es zu verdeutlichen. Daten werden verhasht und so unkenntlich gemacht, dass Sie nicht mehr zu einer einzelnen Person zurückverfolgt werden können. IP Adressen werden nach einer Frist von mehreren Wochen gelöscht. Und ja, Daten werden gesammelt, gespeichert, verarbeitet und auch verkauft. Ja, Werbetreibende können Datensegmente entsprechend des Alters und Standortangaben etc. nutzen, um Marketingmaßnahmen gezielter einzusetzen. Was ist daran so schlimm? Ich als zugereister Bayer möchte beispielsweise keine Kölsch-Werbung sehen. Na, gut die Kreation müsste entsprechend hierzu auch richtig gebrieft werden. Und auch regional unterschiedliche Motive entwickeln. Diese könnten dann auch pro regionalem Werbeansatz im Tool entsprechend angelegt werden. Was soll an personalisierter Werbung bitteschön so falsch sein?

Willkommen im gläsernen Internet-Zeitalter!!! Wer das nicht will, muss sich nicht nur von Facebook verabschieden, sondern sollte gleich dem Internet entsagen, kein Handy besitzen, sich keine Alexa & Co ins Haus holen, nicht mehr fernsehen und an keinen Gewinnspielen teilnehmen. Achja, und beim Einkaufen wird dann bitte nur in bar gezahlt. Und Vorsicht vor Spielzeug mit künstlicher Intelligenz. Ihr könntet abgehört werden.   

Ja, mit Daten lässt sich Geld verdienen und es werden auch personalisierte datengetriebene Werbekampagnen eingesetzt. Oder möchte Herr Weichert von der Kieler Datenschutzbehörde lieber in den Genuss von Tampon-Werbung kommen?

Fazit

Gemäß den Infos von Dr. Thomas Schwenke habe ich meine Datenschutzrichtline überarbeitet. Punkt 8. „Onlinepräsenzen in sozialen Medien“ ist neu dazugekommen. Auch habe ich meine Datenschutzrichtlinie auf der Facebook Fan Seite verlinkt. Der Punkt Info -> Datenrichtlinie führt jetzt direkt zur Tina30plus Datenschutzrichtline. Ich kann jetzt nur abwarten, ob das Bundesverwaltungsgericht dieses Urteil aufheben wird. Der fade Geschmack bleibt. Der Kampf zwischen Datenschutzbehörden und Online Konzernen geht in die nächste Runde und wird auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen.

Quellen:
Bericht aus dem Jahr 2011:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebooks-Like-Button-im-Visier-deutscher-Datenschuetzer-1326346.html

Analyse zum Urteil von Dr. Thomas Schwenke auf Heise:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Analyse-zum-EuGH-Urteil-Noch-kein-Grund-Facebook-Seiten-zu-schliessen-4069690.html

Stellungnahme der IHK Schleswig Holstein:
https://www.ihk-schleswig-holstein.de/recht/aktuelle-rechtsthemen/facebook-fanpage-eugh/4086290

 

4 Kommentare

  1. Mode ist jetzt nicht so direkt mein Ding, aber Deine Beiträge über Deinen Blog und die DSGVO gefallen mir. Ich habe nach der DSGVO alles umgebaut und meine Facebook-Seiten stillgelegt. Zuerst war ich so verunsichert, dass ich mein Gewerbe, das ich nur nebenbei im Umfange eines Minijobs betreibe, ganz aufgeben wollte, weil ich schließlich PC-Service mache. Aber mittlerweile sehe ich das wieder anders. Seine eigene Website kriegt man schon noch DSGVO-konform hin, aber für Facebook und andere Verantwortung übernehmen, das kann ich einfach nicht. Muss es eben ohne all diese Dienste weitergehen.

  2. Hallöchen,
    also ich würde an deiner Stelle auch erst Gewerbe anmelden, wenn ich was verdienen würde. Da ich aber hin und wieder was für Beiträge bekomme, habe ich es gemacht. Es waren 27€, die ich definitiv als gut investiert betrachte. Der Beitrag ist echt super!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  3. meine Liebe, ich kann deinen Datenschutz-Frust so gut nachvollziehen – es ist einfach unfassbar, für was wir als kleine Leute alles geradestehen sollen, obwohl wir nicht mal die Zügel in der Hand halten :/
    gerade über Facebook rege ich mich auch so auf! habe bisher alles so gemacht, wie du auch unten in deinem Fazit beschrieben hast – und dennoch hat man ja immer ein mulmiges Gefühl!

    danke für deinen Bericht – das macht doch Mut, dass wir nicht alleine sind 🙂
    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  4. Toller Beitrag. Mich hat die DSGVO auch schon Nerven gekostet, ich habe gelesen, überarbeitet, gemacht, getan. Neue Hiobsbotschaften verunsichern mich jedesmal. Echt schwierig. Toll, dass es Deinen Blog noch gibt. Viele sind verschwunden. Einfach aus Angst.

    Liebe Grüße, Bea.

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